von Oswald Mederle

Beide (im Jahr 2023 aufgetauchten) originalen Teiser Pläne tragen die Unterschrift von Ingenieur-Leutnant Kardis der ehemaligen Geniedirektion Brixen.

Der Plan der Schützengräben am Wetterkreuz ist vom Dezember 1914, jener von den Schützengräben auf der Haube, weitaus detaillierter gezeichnet, wahrscheinlich vom Frühjahr 1915.

Da das Wetterkreuz als „Stützpunkt II“ und die Haube als „Stützpunkt IV“ angegeben sind, muss es zumindest noch zwei weitere Stützpunkte gegeben haben. Oswald Mederle sieht den „Stützpunkt I“ am Heilig-Grab-Hügel und den „Stützpunkt III“ auf der Anhöhe zwischen dem Wetterkreuz und der Haube, heute Mesner Boden genannt. Dort findet man heute noch die Überreste einer ausgedehnten Feldbefestigung. Stützpunkt IIIa („Untere Scheaßler“ genannt) liegt auf halber Höhe auf einem Felsvorsprung zwischen Mesner Boden und Haube.

Plan der Anlagen am Teiser Wetterkreuz-Hügel

Familie Eichbichler/Archiv Mederle, Brixen

Dieser momentan einzige Plan der Anlage am Wetterkreuz wurde von Ingenieur-Leutnant Kardis unterzeichnet und ist mit 9. Dezember 1914 datiert. Er enthält wenige Details und kann als eine Art Momentaufnahme gesehen werden. Bei genauem Hinsehen sind bereits die im hinteren Teil erkennbare Unterkunft für 20 Mann (1), die gegossene Zement-Treppe (2), der Maschinengewehrstand (3) und der Doppelgraben (4) im Westen ausmachbar. Die rot gefärbten Teile der Anlage befinden sich im Bau, jene in Weiß sind erst ausgesteckt. Die gesamte Anlage war gegen Schrapnellbeschuss sicher eingedeckt.

Aus heutiger Sicht fehlen die Küche (westlich von Punkt 1) und die unterhalb von Punkt 1 befindliche Stollenanlage im Norden. Interessant ist auch die Einzeichnung der Stacheldrahtreihen im Osten.

Die heute freigelegten Teile der Anlage sind mit den rot gekennzeichneten fast identisch.

Erkennbar ist auch, dass in jener Zeit alle vier Enden der Querbalken des Wetterkreuzes (5) mit Draht mit der Kreuzspitze verbunden waren.

Plan Haube

Dieser sehr genaue und im Detail ausgeführte Plan, ebenfalls von Ingenieur-Leutnant Kardis unterschrieben, ist aber ohne Datum geblieben. Er wurde höchstwahrscheinlich im Zeitraum Jänner – April 1915 angefertigt. Alle in diesem Plan rot gekennzeichneten Anlagen sind heute noch – zumindest teilweise – erhalten.

Familie Eichbichler/Archiv Mederle, Brixen

Die Verteidigungsanlage auf der Haube ist als St. P. oder Stützpunkt IV angegeben. Auf dem Plan sind die Vorfeldstellungen gegen das Villnößtal (a und b) im Osten sichtbar, die auf kleinen Felskuppen („Obere Scheaßler“) errichteten oder in Stein gehauenen Schützengräben (1 bis 5), die eingedeckten Verbindungsgräben und die Verbindungswege dazwischen.

Links, gegen Westen, ist ein Teil der Stützpunkte III (am „Mesner Boden“) und IIIa („Untere Scheaßler“) eingezeichnet.

Bis heute stehen auf der Haube gemauerte Teile des Unterstandes (6) für 130 Mann. Bei genauem Hinsehen erkennt man auf dem Plan sogar das etwas darüber liegende Trinkwasserreservoir (7), das ebenso bis heute erhalten geblieben ist. Im Nord-Osten ist der Zugang zu einer Quelle (8) auf 200 Schritte = 150 m eingezeichnet. Der im Süden der Anlage angegebene Untertritt (9), von dem ebenfalls noch Mauerreste erhalten sind, ist als Kälte- und Wetterschutz für die diensttuende Mannschaft zu verstehen. Interessant ist auch die Standplatzangabe zweier Latrinen (10), heute Toiletten genannt. Wie erkennbar befinden sie sich etwas abseits der wichtigsten Wohnanlagen und nahe genug an den Schützengräben, so dass sich die Wachen nicht zu weit von ihrer Stellung entfernen müssen, um ihre Bedürfnisse zu verrichten.

In der originalen Legende (Planbeschreibung) scheinen die Schützengräben als stark-eingedeckt und die Verbindungsgräben als eher leicht-eingedeckt auf. Die Feldmäßigen Hindernisse (11) bestehen aus in den Boden gerammten Holzpfählen oder im Felsen eingemauerten L-Eisenstangen, an denen Stacheldraht befestigt ist. Die drei- bis vierreihigen Hindernisse sind allesamt stark miteinander verdrahtet.

Als letztes Detail ist der projektierte, 15% steile Fahrweg (12) zwecks Zufuhr von Artillerie (Haubitzen) von Norden her auszumachen.